Farbe über Grau

Artur Dick, Fabius Kerstein &Stephanie Reincke

Graffiti und Street Art ist eine häufig anzutreffende Form den urbanen Raum kreativ zu gestalten. Flächen werden oft auf illegale Weise angeeignet und mit Schriftzügen, ganzen Bildern oder einfach nur Tags versehen. Doch wieso entsteht Graffiti an bestimmten Orten und was kann dies über den Zustand des Ortes aussagen?

In Kassel gewinnt Graffiti vor allem im Schillerviertel immer mehr an Präsenz und den grauen, fast schon tristen Fassaden wird durch Farbe und Formen wieder Leben eingehaucht. Das Kreativprojekt KolorCubes ist hier sehr engagiert und schafft es durch Absprache mit Eigentümer*innen dem Stadtteil auf legale Weise ein neues Gesicht zu verleihen. Kann dies Identität und Verbindung zum Viertel schaffen?

In diesem Workshop geht es darum, was das Ausleben einer Subkultur mit uns als Stadtplaner*innen zu tun haben kann und auf welche Weise man dies in der Planung integrieren könnte.

Auf den Spuren von Lucius Burckhardt

Mara Benteler, Larissa Kaul & Katharina Walper

Es ist kurz vor neun, langsam trudeln die ersten Teilnehmenden des Workshops „Auf den Spuren von Lucius Burckhardt“ am Treffpunkt vor dem ASL-Neubau ein.  Erste Gespräche auf dem Weg widmen sich bereits der Materie, wiederum andere Dialoge beschäftigen sich mit der Interdisziplinarität an dem Fachbereich ASL (Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung). Am Café Desasta angekommen, welches am „Lucius – und – Annemarie – Burckhardt – Platz“ liegt, startet der Workshop.

Nachfolgende textliche, bildliche und graphische Erläuterungen und Ausführungen zeigen den Weg der Ideenfindung über die Ausarbeitung des Workshop-Konzeptes bis hin zum gemeinsamen Gestalten von diesem.

Unser besonderer Dank geht an Prof. Martin Schmitz, der die Professur für Lucius und Annemarie Burckhardt inne hat. Ohne seinen lebendigen und persönlichen Vortrag wäre der Workshop so nicht möglich gewesen.

Straße als Gedenkort

Florian Muarrawi, Maurice Riesche & Philine Meckbach

„So seltsam es klingen mag: Auschwitz bleibt uns anvertraut. Es gehört uns, so, wie uns die übrige eigene Geschichte gehört. Mit ihr in Frieden zu leben, ist eine Illusion; denn die Herausforderungen und die Heimsuchungen nehmen kein Ende“. (Siegfried Lenz)

Die Demokratie ist in Gefahr! Spätestens mit dem Aufkommen der AfD und Pegida im Jahr 2013 versuchen Rechtsextreme und Rechtspopulisten den Zweiten Weltkrieg und das damit verbundenen Gedenken zu verharmlosen und umzudeuten. Als prominentes Beispiel können die Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden der AfD Thüringen, Björn Höcke, genannt werden, der das Holocaust Denkmal in Berlin auf einer Veranstaltung der Jungen Alternative im Januar 2017 als „Denkmal der Schande“ bezeichnete (vgl. Kamann 2017). An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Interpretation und historische Einordnung von geschichtlichen Epochen und Ereignissen von jeder Generation aufs Neue ausgehandelt wird.

Der Gegenstand der Kontroverse liegt hierbei sowohl in der Interpretation, Bewertung und Hervorhebung historischer Ereignisse, als auch durch die Formulierung und räumliche Implementierung einer angemessenen Gedenkform. Erinnern und Gedenken ist hierbei ein globales Phänomen und wird durch unterschiedliche Arten und Formen räumlich sichtbar – zu nennen sind zum Beispiel Kriegsfriedhöfe, Denk- und Mahnmale, Gedenktafeln und Stolpersteine. Viele dieser Gedenkarten eint eine zentrale Botschaft: Die Infragestellung der Gleichwertigkeit aller Menschen durch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit führt zu Ausgrenzung, Rassismus bis hin zur Ermordung. Aus dieser Erinnerung erwächst ein Appell an die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen, dass sich Kriege und Verbrechen nicht wiederholen dürften.

Doch genau dieser gesellschaftliche Konsens scheint vermehrt in Frage gestellt und herausgefordert zu werden: Spätestens durch die Morde des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) ist ersichtlich, dass die Wurzeln des rechten Terrorismus immer noch eine Gefahr darstellen und heutzutage wieder hervortreten. Europaweit breitet sich derzeit eine neue Form des Rechtspopulismus aus, der in der Lage ist, Gesellschaften zu spalten. Grenzen zwischen Populisten und Rechtsradikalen werden unschärfer, wie eine Demonstrationen am 01.09.2018 in Chemnitz gezeigt hat, bei der Abgeordnete und Parteimitglieder der AfD und bekannte Persönlichkeiten aus der rechtextremen Szene im Schulterschluss miteinander aufmarschierten (vgl. Maus et al. 2018).

Diese gesellschaftspolitischen Entwicklungen verdeutlichen, dass es an der Zeit ist einen öffentlichen Diskurs zu führen. Einen Diskurs über Ausgrenzung, Erinnerung, Verantwortung, Würde, Unterdrückung und inwieweit diese gesellschaftlichen Querschnittsthemen in der Stadtplanung berücksichtigt und implementiert werden können. Aus dieser Notwendigkeit entstand die Motivation und die Idee einen Workshop zum Planer*innen Treffen (PIT) im Wintersemester 2018/19 an der Universität Kassel anzubieten, der sich mit dem Thema Erinnern und Gedenken im öffentlichen Raum befasst.

In Zusammenarbeit mit den Teilnehmer*innen wurden Ideen und Konzepte für eine zeitgemäße Erinnerungs- und Gedenkkultur besprochen und reflektiert und diese in den Diskurs von Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung eingebettet.

 

Back to the Gemeinschaftsfläche

Mathis Lepel & Philip Stöcker

Gemeingüter können in einer Welt, in der das Privateigentum überwiegt, eine wiederentdeckte Möglichkeit der Partizipation von Individuen im öffentlichen Raum werden. Für die Pflege eines Gemeinguts muss sich eine Gruppe mit den gleichen Interessen zusammenfinden, selbst organisieren und Konzepte entwickeln. Mögliche Erfolge verleiten andere dazu, sich anschließend auch bei diesem Gemeingut beteiligen zu wollen und bilden so das Partizipationsbedürfnis jedes einzelnen aus. Ostrom definiert “Common Property” so, dass eine definierte Gruppe die Entscheidungsgewalt über eine bestimmte Ressource hat und somit darüber verfügen kann, wer diese nutzen darf. Dabei kann Einhegung der Ressource zu einem produktiveren Nutzen führen, diese Einstellung wird meist von Ökonomen vertreten, da Privateigentum maßgeblich zum heutigen Wohlstand der westlichen Welt beigetragen hat. Eine andere Möglichkeit wäre es die Ressource gemeinsam in Absprache zu bewirtschaften, so kann eine kooperative Nutzung zu einer produktiveren Nutzung führen. Als Beispiel für diese Annahme gibt Ostrom die traditionelle gemeinschaftliche Nutzung von Weideland in der Schweizer Alpenregion. Im Rahmen unserer Forschungsarbeit werden Gemeingüter im campusnahen Nord-Holland untersucht und ihre Bedeutung, sowie Relevanz erörtert.

Als Einleitung wird kurz zu Beginn erläutert, wie die Bedeutung von Gemeingütern entstehen und diese auch verwaltet werden. Häufig findet die Verwaltung durch eine Gruppe von Menschen mit gleichem Interesse statt, diese teilen häufig nicht nur die gleichen Ansichten, sondern stehen auch räumlich in einer Beziehung, zum Beispiel halten sie sich in der gleichen Umgebung auf. Aus mehreren Individuen mit gemeinsamen Interessen gründen sich Gemeinschaften, die sich dann dazu entscheiden, öffentlichen oder privaten Raum in ihrem Sinne anzueignen. Dabei kann es zur Ausschließung anderer Individuen oder Gruppen kommen (Kohl, Philipp, 2013). Bezüglich dieser Aussage, ist es für die Forschung interessant, ob es bei den Gemeingütern im campusnahen Nord-Holland auch zu einer Ausgrenzung aufgrund verschiedener Lebensstile und -situationen oder anderer Kriterien kommt. Somit muss auch untersucht werden, ob die vorgefundenen Gemeingüter nur eine quartiersinterne Relevanz besitzen oder ob sie auch über die Quartiergrenzen hinaus eine Relevanz für das restliche Stadtgebiet haben. Der untersuchte Raum, das campusnahen Nord-Holland, ist vor allem durch Studierende geprägt, welche auch im wesentlichen Einfluss auf ihr Viertel nehmen. Der ausgewählte Bereich erstreckt sich entlang der Gottschalk- und Fiedlerstraße mit ihren Nebenstraßen, Park s und Campusplätzen, sowie dem Holländischen Platz und dem ersten Abschnitt der Holländischen Straße. Der wesentliche Einfluss des studentischen Lebens zeigt sich auf den ersten Blick schon durch die Konzentration von Copy Shops, Imbissen/Kiosken und Buchhandlungen. Ein Bereich, der mit der Entstehung der Universität, auch im Rahmen eines Stadtentwicklungsprogramm gefördert wurde. Dabei wurde von einer großen Verdrängung einkommensschwacher Personen in der ganzen Nordstadt ausgegangen, welche vor der Etablierung der Universität ein klares Arbeiter*innenviertel war. (Fischer, Naefe, Pristl, 2004). Es ist also außerdem an uns herauszufinden ob und wie die Gemeingüter in der Campusnähe einen Mehrwert für das komplette Nord-Holland haben.

Kassel Airport - Turbulenzen im Planungsverkehr

Marlen Herweck & Janke Rentrop

Im Rahmen des Planer*innentreffen 2018 wurde der Workshop „Kassel Airport – Turbulenzen im Planungsverkehr“ angeboten. Ziel des Workshops war es das Konzept des Regionalflughafens kritisch zu durchleuchten. Start der Exkursion war am 3.11.18 um 08:15. Die Anfahrt zum Flughafen erfolgte mit dem Linienbus und ermöglichte den Teilnehmern ein erstes Kennenlernen. Zum Erstaunen einiger Teilnehmer konnte man schon vor der Ankunft das erste Flugzeug am Himmel ausmachen.

Am Flughafen angekommen wurde die Wartezeit zunächst einem kleinen Namensspiel gewidmet, bei dem jede*r Teilnehmer*in seinen Vornamen einem Begriff aus Architektur, Stadt- , oder Landschaftsplanung zuordnen sollte („Hallo, Ich heiße Lisa Lageplan“ usw..). Ein Vortrag der beiden Workshopteilnehmer*innen folgte, in dem wichtige Eckdaten des Planungsprozesses sowie der Umsetzung des Flughafens Kassel Calden vermittelt wurden, und der anschließend als Grundlage für eine kritische Betrachtung dienen sollte.

Punkt 10:30 begann die Besucherführung welche von Hr. Brotkorb geleitet wurde, und die wichtigsten Stationen des Flughafens über den Aussichtspunkt, die Feuerwehr, den Sportflughafen zurück zur Ankunftshalle abdeckte. Den Teilnehmer*innen wurde es so ermöglicht vielfältige Eindrücke vom Aufbau des Flughafens mitzunehmen, und durch die fachkundigen Ausführungen des Besucherführers Zugang zu vielen Insider Informationen zu erhalten. Lediglich der Flugkontrollturm konnte nicht besichtigt werden, da die Arbeit als Fluglotse ein hohes Maß an Konzentration erfordert und Besuchergruppen als Störung empfunden werden könnten.

Nach der Besucherführung fuhr die Gruppe wieder geschlossen zurück in die PIT Lounge um bei Tomatensaft mit Salz und Pfeffer die gewonnen Eindrücke zu reflektieren und Vor- bzw. Nachteile des Flughafens zu formulieren. Auf Grundlage der gesammelten Argumente wurden Visionen für zukünftige Umnutzungen erörtert.

Mehr Leben am Fluss

Theo Ehmer & Lennart Lindner

Flüsse – die Lebensadern der Menschen. Schon seit Jahrtausenden siedelten die Menschen überall auf der Welt bevorzugt an Flüssen und Bächen. Diese spendeten Trink- und Nutzwasser für den Lebensalltag, gaben Schutz und waren oft der einzige Transportweg für Warenhandel im größeren Stil.

Auch noch in der Gegenwart sind Flüsse Dreh- und Angelpunkt des städtischen Lebens und werden in vergleichbaren Städten auch so inszeniert. In Kassel ist dies aufgrund seiner Geschichte bedeutend anders.

Die historische Altstadt als solche ist durch Krieg und Stadtumbau zur autogerechten Stadt kaum mehr erkennbar und die “neue Mitte” umfasst nun die Obere und Untere Königsstraße. Durch diese Verlagerung des alltäglichen Stadtlebens und die Stilllegung des Warenverkehrs verlor die Fulda an Aufmerksamkeit und Wert.

Um die Zukunft der Kasseler Fulda konstruktiv zu gestalten, wurde ein Freiraumkonzept von der Stadt Kassel in Auftrag gegeben. Die Inhalte dieses Konzeptes dienten als Grundlage der Bearbeitung innerhalb des Workshops.

Zu Beginn des Workshops wurde ein Input über die Stadthistorie Kassels und die Relation zwischen Stadt und Fluss gehalten, indem die Umsetzung in anderen Städten ebenfalls zu sprechen kam. Mit den hier gesammelten Informationen begaben wir uns auf eine zweistündige Exkursion rund um die Fulda, wo dann in Expertengruppen spezifische Räume untersuchten und nach Potenzialen analysiert wurde. Den Schluss machten ein Gastvortrag über das Fuldakonzept Kassel, gehalten von Cornelia Engelhardt-Fröhlich sowie ein abschließenden Diskurs. Dieser war als World-Café angelegt, bei dem Teilnehmer Workshop-Leitende und Frau Engelhardt-Fröhlich über die gewonnenen Eindrücke und die daraus resultierenden möglichen Maßnahmen ins Gespräch kamen.

 

Nordcampus

Alina Hanke & Nele Lesemann

Unser ASL-Campus ist außergewöhnlich, ein eigenes Dorf oder eher ein abgeschotteter Bereich?

Was andere ASL-Studierende darüber denken, die zum Teil mit völlig anderen Erfahrungen und/oder Eindrücken am PIT teilnehmen, interessiert uns. Was brauchen wir für unser Studium und wieviel Interaktion soll mit anderen Fachbereichen bzw. Akteuren der Uni bestehen.

 

Gleichzeitig liegt der Nordcampus in Nord-Holland, einem genauso außergewöhnlichen Viertel. Es soll hinterfragt, diskutiert und wenn möglich auch konzipiert werden, wie unsere Umgebung, die sozial schwach (oder stark) mit verschiedensten kulturellen Einflüssen den vor allem studentischen Alltag prägt. Welche Rolle haben dabei Studierende, die Stadt oder die Uni?

 

Zunächst interessierte uns, wie der Kasseler Uni Campus wahrgenommen wird; dabei besonders, wie der ASL-Campus wirkt. Es lässt sich nunmal nicht bestreiten, dass wir etwas andere Anforderungen haben, wie u.A. Projekträume und Werkstätten, die unsere Wünsche nach einer bestimmten Campusgestaltung beeinflussen.

 

Inwieweit sich die Freiraum- und Campusgestaltung auch auf die Einbettung in das umliegende Quartier auswirkt und wie die Erfahrungen diesbezüglich in anderen Uni-Städten sind, sollte besprochen werden.

 

In der weiteren Ausformulierung des Workshopthemas und aktuellen Geschehnissen an unserem Fachbereich, entschieden wir uns dafür, uns mit Thema eines integrativen Campus zu beschäftigen.  Dazu wird der Aspekt eines offenen Campus, der für alle Bewohner*innen eines Quartiers oder einer Stadt zugänglich ist und somit ein Ort mit Aufenthaltsqualität ist, in den Fokus gesetzt.

 

Dabei soll auch betrachtet und hinterfragt werden, ob eine bestimmte Freiraumgestaltung dafür hilfreich sein könnte.

  

 

ÖPNV zum Nulltarif?

Hanna Behr & Sarina Homann

Glaubt man dem Volksmund, ist das Auto des Deutschen liebstes Kind. Dies ist fast nicht zu leugnen, wenn man sich die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt Bundesamt vor Augen führt. Am 1. Januar 2018 lag die Anzahl der in Deutschland zugelassenen Pkw bei 46,5 Millionen (vgl. Kraftfahrt Bundesamt: 2018). Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die Zahl der Gesamtbevölkerung Deutschlands Ende 2017 bei 82,2 Millionen Menschen (vgl. Statistisches Bundesamt: 2018). Damit liegt die Pkw-Dichte bei circa 562 Pkw je 1000 Einwohner und die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr.

Doch das Auto als Statussymbol gerät bei bei den jüngeren Menschen immer weiter ins Hintertreffen. Dies hat zur Auswirkung, dass die Fahrgastzahlen des öffentlichen Personenverkehrs ebenfalls kontinuierlich steigen (vgl. Verband deutscher Verkehrsunternehmen: 2018). Genau diese Entwicklung muss weiter gefördert werden, in Hinsicht auf die stetig steigenden Stickstoffdioxid- und Feinstaubwerte in deutschen Städten. Statt die Bürger mit Fahrverboten für z.B. Dieselfahrzeuge zu bestrafen, sollte man lieber Anreize schaffen um ein Umdenken in den Köpfen herbeizuführen und damit eine schrittweise Verlagerung vom MIV zum ÖPNV zu erreichen.

,,Mit den Menschen ist es wie mit den Autos. Laster sind schwer zu bremsen.”                                                                                               Heinz Erhard

Das dies nicht ganz einfach werden wird ist offensichtlich. Viele ziehen das Auto vor allem aus Bequemlichkeit vor, daher könnte mit dem ,,ÖPNV zum Nulltarif” eine echte Alternative geschaffen werden, von der nebenbei auch viele Menschen finanziell stark profitieren könnten.

Ein Hauptproblem aktuell sind die enormen Preise von Bus und Bahn die Geringverdiener und Personen aus sozial schwachen Bevölkerungsgruppen stark belasten. Hier könnte der ,,ÖPNV zum Nulltarif” auch die Zahl der Schwarzfahrer nicht nur senken sondern eliminieren. Aber erst müssen für eine Umsetzung noch die Weichen von Politik und den betreffenden Akteuren gestellt werden um dies zu ermöglichen.

 

Raum für urbane Experimente

Linn Jakob & Milena Zampich

Im Rahmen des Planer*innentreffens mit dem Themenschwerpunkt Mobilität und öffentlicher Raum haben wir mit unserer Workshopgruppe die Rolle von Graffiti und Street Art im Stadtraum untersucht. Unser Fokus lag dabei auf Kassel und den Unterführungen am Weinberg und am Holländischen Platz, welche von dem Verein „Raum für urbane Experimente“ gestaltet werden. Diese vertikalen Flächen, welche zur legalen, freien Aneignung zur Verfügung gestellten werden, erreichen eine große Nachfrage und werden mit großem Erfolg genutzt. Inzwischen haben die Unterführungen den ehemaligen Charakter eines Angstraumes verloren. Da wir als in Kassel Studierende einen eher subjektiven Blickwinkel auf den Verein, seinen Wirkungsraum und das Kassler Erscheinungsbild haben, wollten wir in unserem Workshop gerne einmal die Sicht Stadtfremder Stadtplaner*innen kennenlernen, sowie deren Erfahrungen mit Graffiti und Street Art in ihrer Heimat- oder Studienstadt mitbekommen. Unser Ziel war es außerdem den Austausch untereinander anzuregen und herauszufinden, inwiefern wir etwas von dem Themenfeld Aneignung des öffentlichen Raums in unseren Studiengang mit hineinnehmen können.

 

Rollen mit den Besten

Lara Loescher & Simon Wirtz

Im Zuge des PIT soll es im Workshop „Rollen mit den Besten“ darum gehen zukünftige Planer*innen in die Perspektive behinderter Menschen zu versetzen und die die Innenstadt von Kassel mit Rollstuhl, Ohrenschutz und Simulationsbrillen zu erkunden. Oft ist Barrierefreiheit für Planer*innen aufgrund des fehlenden persönlichen Bezuges ein sehr theoretisches Thema. Genau diese Theorie soll im Workshop um einen praktischen Aspekt erweitert werden und die Teilnehmer für das Thema sensibilisieren. Der Workshop steht dabei in enger Verbindung mit den Themen Mobilität, Öffentlicher Raum und dessen Aneignung. In öffentlichen Neubauten ist Barrierefreiheit mittlerweile Pflicht, die notwendige Erschließung öffentlicher Räume ist aber meistens unzureichend. Nicht nur die räumliche Erschließung durch Rollstuhlrampen sondern auch die barrierefreie Bereitstellung von Informationen und die örtliche Nähe zu Transportmöglichkeiten und Parkplätzen sind wichtige Bestandteile der Barrierefreiheit, werden jedoch in den rechtlichen Rahmen wenig berücksichtigt. Zusätzlich gibt es auch barrierefreie Wege und Zugänge, die aber bei genauerer Untersuchung die Ansprüche der Barrierefreiheit nicht erfüllen. All diese Aspekte werden im Workshop genauer untersuchen.

Skateboarding erobert die Stadt

Sarah Leimbeck

Skateboarding wird auch als „Trendsportart“ bezeichnet und findet häufig in Stadt- und Landschaftsplanungsvorhaben, vor allem für öffentliche Räume selten  Beachtung, so auch in Kassel. Skateboarding wird ab 2020 olympische Disziplin und dadurch international als Sportart Anerkennung finden. Der seit 29 Jahren aktive Skateboardverein Mr. Wilson in Kassel wird Regionalstützpunkt für 3 Bundesländer wodurch der Bekanntheitsgrad des Vereins weit über die nordhessischen Grenzen hinaus zunehmen wird.

In dem Workshop wollen wir uns mit der Akzeptanz von Skateboarding im öffentlichen Raum auseinandersetzen. Wir diskutieren welche Teilhabemöglichkeiten durch Planung entstehen können, wie Raumaneignung geschieht und welcher Mehrwert durch Aneignungsprozesse für sozialschwache Stadtteile (wir betrachten Rothenditmold als Standortbeispiel) generiert wird.

Diesen und weiteren Fragen wollen wir uns in Kooperation mit aktiven Skatern, Soziologen und Sportwissenschaftlern widmen und diskutieren.

 

Stadt für/mit Obdachlosen

Ann-Katrin Dernbach, Cora Klahold, Tülay Isikan

Die Fragestellung „Wem gehört der öffentliche Raum?“ führt schnell und unweigerlich sehr oft zu der Antwort „allen“. Wer sind alle? Was ist öffentlicher Raum? Bricht man es greifbar herunter, sind öffentliche Räume, Parks, Fußgängerzonen, alle öffentliche Einrichtungen, zu welchen man als privat Person kostenlosen und einfachen Zugang erhält.
Dennoch unterscheiden wir kategorisch, welche Menschen der Öffentlichkeit angehören und diese Privilgien nutzen dürfen und welche nicht. Menschen, die augenscheinlich keinen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben beitragen, werden von uns, von der Gesellschaft, aussortiert. Ganz gleich, ob sie ihren Beitrag in der Vergangenheit geleistet haben, oder warum sie es nicht können.

Wem gehört öffentlicher Raum? Nicht allen. Eigentlich auch nicht der Gesellschaft. Öffentlicher Raum wird der Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Die Verantwortung für diesen, übernimmt jedoch nicht die Gesellschaft, sondern überträgt sie auf städtische Insitutionen. Lediglich das Recht, benachteiligte Menschen zu dikretiteren oder zu ignorieren behält sich die Gesellschaft vor.  

Obdachlose sollten eine gleichwertige Rolle im Planungsprozeß des öffentlichen Raumes spielen, wie alle anderen Gruppen. Jeodch wird sogar das Aufenthaltsrecht auf ein Minimum reduziert. Es entstehen schmale Korridore innerhalb eines Stadtgebietes, in denen sich Obdachlose bewegen dürfen; zeitweise ohne Schaden zu nehmen. Ein kurzes Rollenpsiel mit Studenten zeigte, wie schnell eine unangenehme Siutation eintritt und wie wenig absehbar der Schritt zur Eskalation ist.

 

Zeitreise durch Kassel

Annika Schenk , Sophie Kahnt, Miriam Eigert

Kassel präsentiert sich heute als moderne Stadt mit “Charme der 50er Jahre” (Kassel Marketing GmbH o.J.), deren über tausendjährige Geschichte nicht mehr anhand der städtebaulichen Gestalt abzulesen ist. Die einschneidendste Veränderung brachte die radikale Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit sich, bei der etwa 97 % der eng bebauten, mittelalterlichen Altstadt dem Erdboden gleich gemacht wurde (Stadt Kassel 2016). In unserem Workshop begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die Kasseler Stadtgeschichte: Von den Bombennächten zum Wiederaufbau bis hin zum heutigen Stadtbild und zukünftigen Visionen.

Der Workshop „Zeitreise durch Kassel: Vom Luftschutzbunker zum Freiraum der Zukunft” soll den PIT-Teilnehmenden einen Einblick in die Geschichte Kassels ab dem Zweiten Weltkrieg vermitteln und legt dabei das Augenmerk auf die zentralen Freiräume der Kasseler Innenstadt. Neben einer Bunkerführung steht ein Stadtspaziergang im Mittelpunkt, der vom geschichtsträchtigen Weinberg beginnend durch die von Nachkriegsbebauung geprägte Innenstadt führt. Mithilfe der gewonnenen Eindrücke kann zum einen die Zerstörung des Kriegs und die anschließende Überformung der Innenstadt nachvollzogen werden. Zum anderen können die Merkmale der sehr gegensätzlichen Freiräume Kassels analysiert und innerhalb eines World Cafés bewertet sowie auf Grundlage dessen ein „idealer Freiraum der Zukunft” skizziert werden.




T & V two

Philip Wucher, Jonathan Knopp

Die Idee zum Workshop t&v two entstand, sozusagen, aus einer „Notsituation“ heraus. Im Sommersemester 2018 gab es den Workshop teilen & verweilen, der aus dem Seminar „Sharing Campus“ hervorgegangen ist. An einem Wochenende wurde aus allen möglichen Materialien, die zuvor zusammengetragen wurden, Möbel und Möblierungen aller Art entworfen und gebaut. Die Materialien waren ausschließlich gefundene oder gespendete Reste. Das bedeutet nicht, dass es nur Kleinteile waren, es befanden sich Paletten, Plattenstücke, Latten oder Balken darunter. Hinzu kam von verschiedenen Menschen geliehenes Werkzeug und Menschen, die sich damit auskennen. Der Workshop war offen für Teilnehmer*Innen aller Fachbereiche. Auch war freigestellt, was und wie lange von jeder/m Einzelnen gebaut wurde. Manche waren volle zwei Tage dabei und arbeiteten an ihren Möbeln, andere in deutlich kürzerer Zeit fertig. Die entstandenen Möbel waren den Erbauer*Innen und ihrer Funktion nach entsprechend unterschiedlich. Von Bänken, Fahrradständern über Blumenkübel bis zu einem großen Tisch entstanden den Materialien entsprechende Möbel. Diese wurden in den nächsten Wochen von Student*Innen, Mitarbeiter*Innen der Universität und Besucher*Innen vielfältig genutzt.

Die anfangs angesprochene „Notsituation“ entstand dadurch, dass die Bauabteilung der Universität die Möbel, ohne sich vorher bei den Verantwortlichen zu melden oder dies gar abzusprechen, die Möbel entsorgte. Daraufhin entstand der Wunsch, einen solchen Workshop zum PIT zu wiederholen, denn die Resonanz auf die Möbel war durchweg positiv.



7000 Eichen

Cara Frey

Ein PIT in Kassel und dann noch das Motto Back to the roads. Was könnte es da Besseres geben als einen Workshop zu einem Thema das Kunst, Kassel, Stadtverwaltung und öffentlichen Raum beinhaltet?

 

Das Kunstwerk 7000 Eichen von Joseph Beuys trägt den schönen Untertitel „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ was uns ASLer ja gerade recht dazu auffordert sich damit mal genauer zu beschäftigen. Und so entstand schnell die Idee einen Workshop zu konzipieren, der das Erlebnis von öffentlichem Raum mit den komplexen Gedanken zur gesellschaftlichen Plastik von Joseph Beuys vereint. Im Rahmen des PITs ist diese Idee mit einer Fahrradtour durch Kassel bei sonnigem Wetter realisiert worden und hat hoffentlich bei allen Teilnehmer*innen viele Eindrücke hinterlassen.

Phänomenologische Methode

Melina Bardt

„Interdisziplinarität, Juhu!“ lautete das Motto unseres Workshops zur phänomenologischen Methode und so nutzen wir das PIT 2018, um die meist bekannte, aber selten angewandte Floskel aus dem Unialltag in die Realität umzusetzen.  Der phänomenologisch philosophische Planer*innen Workshop bot den Teilnehmenden die Möglichkeit einen tieferen Einblick in die theoretischen Grundlagen und Wahrnehmungskonzepte der Philosophie des 20. Jahrhunderts zu erhalten. Bei der Phänomenologie handelt es sich um eine philosophische Strömung, die sich als eine Alternative zur rationalistischen Philosophie begreift und sich als kritische Stimme gegen ein rein naturwissenschaftliches Weltbild versteht. Thematisch steht dabei die Beziehung zwischen Subjekt und Umwelt im Zentrum der Untersuchungen. Die Konzepte und Ideen zur Raumphilosophie dienten als theoretischer, textbasierter Input für den Städtebau sowie die Stadt- und Landschaftsplanung. Die Gesetze menschlicher Wahrnehmung und Raumorientierung konnten aus einer neuen, fachfremden Perspektive untersucht werden.

Als theoretische Grundlage widmeten wir uns dabei einem exemplarischen Textauszug von einem der bekanntesten Vertreter dieser Denkströmung: Merleau-Ponty´s Phänomenologie der Wahrnehmung. Gemeinsam lasen, dachten und diskutierten wir uns abschnittsweise durch den Text. Fragen wie: „Gibt es den Raum ohne Subjekt? Existiert der Raum ohne Ort und Zeit oder was passiert eigentlich im Raum zwischen zwei Subjekten?“ wurden aufgeworfen und angeregt diskutiert. Auch individuelle Eindrücke und Erfahrungen zur Wahrnehmung wurden thematisiert und die phänomenologische Methode konnte als nachhaltiges Denkwerkzeug im Gespräch erprobt werden.

In einem Abschlussfazit wurden die erarbeiteten Kenntnisse und Eindrücke im Kontext des Planner*innen-Alltags reflektiert.

Varytale

Hilal Düzyol

Im Rahmen des Workshops haben wir uns mit der Eigenschaft der Phosphoreszenz beschäftigt. Die Phosphoreszenz besitzt die Fähigkeit, nach dem Beleuchten mit Licht im dunkeln ein Nachleuchten zu erzeugen. Unser Fokus lag im Bezug auf den Workshop bei der Einsatzmöglichkeit der Substanz auf öffentlichen Verkehrsflächen. Nicht nur der ästhetische Aspekt, sondern auch der Aspekt der Energieeinsparung spielt hier eine besondere Rolle, denn das Substrat ist als Straßenmarkierung, aber auch als Straßenbeleuchtung ohne Elektrizität einsetzbar. Durch das Leuchmittel soll aufsehen erregt und auf diese Wege aufmerksam gemacht werden, denn tagsüber ist die phosphoreszierende Eigenschaft des Substrates nicht erkennbar, abends hingegen verleiht es den Straßen eine magische Atmosphäre.

Anhand einiger Referenzprojekte und der selbstleuchtenden Substanz wollten wir mit

den Workshopteilnehmer*innen Fragen wie die Straßen ohne Elektrizität für Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen sicherer gemacht werden kann, was dem Stadtbild zugleich einen spielerischen Effekt verleiht, oder wie das Einsetzten der Substanz auf öffentlichen Verkehrsflächen die Wahrnehmung der Nutzer und Betrachter verändert. Wie verändert sich dadurch das Stadtbild? Wie macht man Mitmenschen auf die überschüssigen Autowege und die Umweltverschmutzung aufmerksam? Durch unser zweistündiges Experiment und der darauffolgenden Diskussion mit den Teilnehmer*innen sollen diese Fragen geklärt und eine optionale Lösung für das vorhandene Problem gefunden werden.