Biken ist heikel

Lilly Peter // 28. Juni 2018

2017 gab es in Hessen 4.481 durch die Polizei erfasste Fahrradunfälle. Das bedeutet, dass hochgerechnet jeden Tag zwölf Fahrradfahrer*innen im Bundesland einen Unfall haben. Diese erschreckende Tatsache ist leider nicht alles. Die Dunkelziffer ist noch viel höher, da rund zwei von drei Unfällen der Polizei nicht gemeldet werden und somit auch in keiner offiziellen Statistik auftauchen (Hessisches Ministerium des Innern und für Sport (o. J.), Verkehrsbericht Hessen 2017).

Radfahren wird in Deutschland immer mehr angesehen und gilt nicht mehr nur als Fortbewegungsmittel für die Leute, die sich kein Auto leisten können. Immer mehr wählen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel, da es zeitsparender ist als das Auto und auch dem Parkplatzproblem aus dem Weg geht. Heutzutage werden rund 10% aller Wege in Deutschland mit dem Fahrrad zurückgelegt.  Diese Zahl soll sich laut des Nationalen Radverkehrsplans des Bundesministeriums auch noch weiterhin erhöhen. Doch um das zu erreichen muss erst eine sichere und gute Infrastruktur gewährleistet werden (BMVI (o. J.), Fahrradverkehr). Dies ist bis jetzt jedoch noch nicht der Fall. Radwege dienen eigentlich zur Sicherheit der Radverkehrsnutzer, doch nur die Wenigsten fühlen sich im Verkehrsraum auch wirklich sicher (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (o. J.), Radverkehr in Deutschland.-Zahlen, Daten, Fakten). 

Dies liegt zum einen daran, dass in der Vergangenheit die Priorität bei der Planung dem Motorisierten Individualverkehr galt. Für die Radverkehrsplanung wurden kleine Etats eingerichtet und kaum Beachtung geschenkt. Deshalb ist ein großer Teil der heutigen Radinfrastruktur noch immer veraltet, oder gar nicht vorhanden. Doch die Unsicherheit der Radfahrer kommt nicht irgendwoher. Sie “waren, sind und bleiben im Straßenverkehr stark gefährdet” (Alrutz, Dankmar, 2012), da sie sich, wie Fußgänger fast gänzlich ungeschützt, im Verkehrsraum aufhalten und fortbewegen.

In fast allen EU-Mitgliedsstaaten sind die Unfallzahlen weiterhin gestiegen. Davon endeten sogar 4% tödlich. Besonders Senioren sind betroffen, denn mehr als die Hälfte, ca. 57%, der verunglückten Radfahrer waren 65 Jahre oder älter. Obwohl auch Jugendliche einen großen Anteil der Unfallzahlen einnehmen, sterben von ihnen “nur” zwei bis drei dabei (Statistisches Bundesamt, Destatis 2017). Das ist begründbar unter der Annahme, dass ältere Menschen gebrechlicher sind und schneller schwere Verletzungen bekommen. Dazu kommt noch zusätzlich, dass die wenigsten Radfahrer mit Helm fahren. besonders nach der Pubertät im jugendlichen Alter nimmt die Zahl drastisch ab (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (o. J.), Radverkehr in Deutschland. Zahlen, Daten, Fakten).

Dreiviertel der Unfälle 2011 mit anderen Verkehrsteilnehmern waren mit einem Pkw, dabei war nur bei einem Viertel der Radfahrer Verursacher des Unfalls. Durch die hohe Bewegungsenergie des Kraftfahrzeugs gehen diese Unfälle meist auch mit stärkeren Verletzungen aus. Generell passieren deutlich mehr Unfälle in den Sommermonaten im innerstädtischen Bereich. Doch nicht alle Radverkehrsunfälle sind mit anderen Verkehrsteilnehmer. 17% sind sogenannte Alleinunfälle, in denen der Radfahrer, oft durch Eigenverschulden, aber auch durch beschädigte Fahrradverkehrsanlagen und durch nicht ausreichende Infrastruktur zu Schaden kommen (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur).

Viele Analysen von Radverkehrsunfällen deuten immer wieder auf die gleichen Probleme und Unfallursachen im Fahrradverkehr hin. Zum einen sind das Kreuzungen und Einmündungen. In Münster sind 60% der Unfälle beim Ein- oder Abbiegen geschehen. Besonders wenn der Radweg sich nicht auf Straßenniveau, sondern im Seitenraum befindet, gibt es ein sehr hohes Risiko. Hier befinden sich die Radfahrer nicht mehr im direkten Blickfeld der Kraftfahrzeuge und werden so schnell übersehen. Generell birgt das Fahren auf dem Gehweg, entgegen vieler Annahmen, mehr Risiken als der Schutzstreifen auf Fahrbahnniveau. Denn neben der Unübersichtlichkeit für den MIV, kommen als Risikofaktor unaufmerksame Fußgänger oder deren Hunde an der Leine dazu (Deutsches Institut für Urbanistik (o. J.), Nationaler Radverkehrsplan. Unfallrisiken beim Rad fahren)

Ein weiteres Problem ist, wie schon genannt, die unzureichend dimensionierte oder eingeschränkte Radinfrastruktur. Viele Stürze und Unfälle kommen durch Unebenheiten, Hindernissen, wie Reklametafeln oder parkenden Autos, aber auch Müll oder Glassplitter, zustande. Hinzu kommen nicht ausreichend oder mangelhaft gesicherte Baustellen (Maercker, Chr.)

Dreiviertel der Unfälle 2011 mit anderen Verkehrsteilnehmern waren mit einem Pkw, dabei war nur bei einem Viertel der Radfahrer Verursacher des Unfalls. Durch die hohe Bewegungsenergie des Kraftfahrzeugs gehen diese Unfälle meist auch mit stärkeren Verletzungen aus. Generell passieren deutlich mehr Unfälle in den Sommermonaten im innerstädtischen Bereich. Doch nicht alle Radverkehrsunfälle sind mit anderen Verkehrsteilnehmer. 17% sind sogenannte Alleinunfälle, in denen der Radfahrer, oft durch Eigenverschulden, aber auch durch beschädigte Fahrradverkehrsanlagen und durch nicht ausreichende Infrastruktur zu Schaden kommen (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur).

Eine weitere Gefahr besteht im alkoholisierten Fahren auf Seiten der Radfahrer. Besonders in Münster wird mit diesem Problem gekämpft. Hier begründeten allein 52,9% der Altersgruppe von 16 bis 29-Jährigen ihre Fahrradnutzung mit der Möglichkeit dann Alkohol trinken zu können. Generell geben acht Prozent der Bevölkerung zu in den letzten zwölf Monaten häufiger mit Alkohol gefahren zu sein. Immer öfter wird die Promillegrenze von ganzen 1,6% kritisiert, denn sie stellen nicht nur eine Gefahr für sich selbst dar, sondern auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Auch strengere und regelmäßige Alkoholkontrollen wären ein weiter Lösungsvorschlag (Alrutz, Dankmar ,2012).

Grundbausteine für die Sicherheit im Radverkehr, sind neben nutzungsgerecht gestalteten Radverkehrsanlagen und eine sichere Führung, auch die Schaffung eines freundlichen Verkehrsklimas, für alle Verkehrsteilnehmer. Um dies zu garantieren empfiehlt unter anderem die Unfallforschung der Versicherer (UDV) unterschiedliche planerische Maßnahmen. Um die Radfahrer ins direkte Sichtfeld innerhalb der Verkehrsfläche zu Rücken sollen hier die Verkehrsanlagen, vorzugsweise auf Fahrbahnniveau, aus- und umgebaut werden. Zudem soll die Radverkehrsführung klar erkennbar und übersichtlich gestaltet sein. Auch die Mindestbreite der Radwege, sowie die Senkung der Geschwindigkeitsbegrenzung ist hierbei zu bedenken. Um die häufigeren Längsverkehrunfälle reduzieren zu können, die meist durch Überholungen entstehen, sollten Radfahrstreifen breit genug sein, um auch ein leichteres Überholen unter Radfahrern zu erleichtern. Zudem sind auch ausreichende Sicherheitsräume zu den Kfz-Parkstreifen unabdingbar (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.).

Viele Unfälle lassen sich durch eine geringere Geschwindigkeit verhindern oder wenigstens in der Intensität schwächen, da durch die geringen Aufprallgeschwindigkeiten auch die Verletzungsschwere sinkt.

Neben den schon genannten Öfteren Alkoholkontrollen, sollten auch Rotlichtverstöße auf Seiten der Fahrradfahrer stärker kontrolliert und geahndet werden, denn auch diese bergen ein großes Risiko (Deutsches Institut für Urbanistik).

Unaufmerksamkeiten, oft durch die Nutzung eines Smartphones, fehlende Rücksichtnahme und Regelmissachtungen bei allen Verkehrsbeteiligten sind eine weitere stark vertretene Unfallursache (Alrutz, Dankmar, 2012).

Große Sicherheitsprobleme entstehen besonders durch das widerrechtliche fahren der Radverkehrsteilnehmer*innen in der falschen Fahrtrichtung. Dies ist ein zum Teil sehr verbreitetes Fehlverhalten, mit zum Teil schwerwiegenden Folgen (Statistisches Bundesamt, 2017)

Ein weiteres Problem ist, wie schon genannt, die unzureichend dimensionierte oder eingeschränkte Radinfrastruktur. Viele Stürze und Unfälle kommen durch Unebenheiten, Hindernissen, wie Reklametafeln oder parkenden Autos, aber auch Müll oder Glassplitter, zustande. Hinzu kommen nicht ausreichend oder mangelhaft gesicherte Baustellen (Maercker, Chr.)

Dreiviertel der Unfälle 2011 mit anderen Verkehrsteilnehmern waren mit einem Pkw, dabei war nur bei einem Viertel der Radfahrer Verursacher des Unfalls. Durch die hohe Bewegungsenergie des Kraftfahrzeugs gehen diese Unfälle meist auch mit stärkeren Verletzungen aus. Generell passieren deutlich mehr Unfälle in den Sommermonaten im innerstädtischen Bereich. Doch nicht alle Radverkehrsunfälle sind mit anderen Verkehrsteilnehmer. 17% sind sogenannte Alleinunfälle, in denen der Radfahrer, oft durch Eigenverschulden, aber auch durch beschädigte Fahrradverkehrsanlagen und durch nicht ausreichende Infrastruktur zu Schaden kommen (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur).