Lucius Burckhardt und die Spaziergangswissenschaften

Michelle Nettles & Louis Vogler // Teilhabe & Verdrängung // Lesezeit: 02 Min. // Audio: 30 Min.

Wir kennen das alle: an warmen Sommertagen ab und an durch die Straßen flanieren oder im Herbst beim Spazierengehen das bunte Zusammenspiel der Laubblätter auf dem Grund beobachten.

Wir genießen die Landschaft und erfreuen uns an ihr. Spazierengehen können wir alle, aber was ist eigentlich Spaziergangswissenschaft und verbirgt sich hinter einem Spaziergang vielleicht doch mehr?

Lucius Burckhardt entwickelte im Jahr 1980 mit seiner Frau Annemarie Burckhardt aus den Elementen der Soziologie und des Urbanismus die Spaziergangswissenschaft und beschäftigte sich mit Fragen wie „Warum ist Landschaft schön? Und worin besteht diese Schönheit?“ und gründete sich auf die These, dass Landschaft nicht wahrnehmbar sei, zumindest nur als eine Bildvorstellung in unseren Köpfen.

Zusammengefasst geht es hier um das Einwirken des Menschen auf die Umwelt. Eine besondere Thematik, die mithilfe von kulturwissenschaftlichen Methoden, die auf kulturgeschichtlichen Analysen basieren, ermittelt wird. Praktische und ästhetische Interventionen wie Spaziergänge und Seminare in alltäglichen Situationen werden als Hilfsmittel genutzt, um die Wahrnehmung der Umwelt zu steigern und zu erweitern. Die Umweltwahrnehmung und das Verhalten in Freiräumen sollen planerische und architektonische Fragestellungen beantworten sowie bestimmte Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster in bestimmten Situationen anders wahrnehmbar machen.

Die Spaziergangswissenschaft gibt einen Impuls für den Umgang mit Städten und Landschaften, um Lösungen für bestehende Probleme zu schaffen. Der Spaziergang, ein Weg angereiht von Perlen, definiert als besondere Standpunkte, gibt Auskunft über nachfolgende Orte und dient als Instrument, um Raumeindrücke zu vermitteln.