Critical Mass

Lisa Zierenberg & Joana Krappweis //  Grundlagen // Lesezeit: 02 Min.

Manch eine*r wurde eines Tages sicher schon mal von einem Pulk Fahrradfahrer*innen überrascht, der sich über die Haupt- oder Umgehungsstraßen vorwärts schob. Dieser eher ungewöhnliche Anblick der sogenannten Critical Mass sorgt nicht ohne Grund für große Aufmerksamkeit seitens der Passant*innen und übrigen Verkehrsteilnehmenden.

Die Critical Mass ist eine Aktionsform, die meistens am letzten Freitag des Monats in zahlreichen Städten der Welt stattfindet und dutzende bis tausende Radfahrer*innen auf die Straßen bringt (Hübner o.J.). Die erste Aktion unter diesem Titel fand bereits 1992 in San Franzisco statt. Ziel der gemeinsamen Fahrt durch die Innenstädte soll es sein, auf Belange und Rechte der Radfahrer*innen gegenüber des motorisierten Verkehrs aufmerksam zu machen (Hartz 2014).

Die Bezeichnung “Critical Mass”(dt. kritische Masse) findet ihren Ursprung in der Kernphysik und bezeichnet eine Mindestmasse, ab der eine Kettenreaktion aufrecht erhalten werden kann. Eine Kettenreaktion wollen auch Radfahrer*innen auslösen (Foukis 2015)

Dabei handelt es sich nicht um eine Demonstration, da es keine offiziell verantwortliche Person und keine formulierten politischen Ziele gibt. Stattdessen versammeln sich die Teilnehmenden scheinbar zufällig zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. Die gemeinsame Tour durch die Stadt ermöglicht § 27 der StVO, der besagt, dass ein Verband von mindestens 16 Radfahrer*innen offiziell die gesamte Fahrbahnbreite benutzen darf und an ampelgeregelten Kreuzungen als ein Fahrzeug gilt. Hat der*die erste Radfahrer*in die Ampel bei Grün überquert, darf der übrige Verband folgen, auch wenn die Ampel zu rot wechselt. Häufig sorgt Musik bei den Touren für eine ausgelassene Stimmung.

Die Route wird von den Teilnehmenden selbst gestaltet. Verlauf und Dauer der Route unterscheiden sich von Stadt zu Stadt, ebenso die Präsenz der Polizei, welche von der Größe des Fahrradverbandes abhängt. Findet eine Critical Mass zum ersten Mal statt, kann dies schon mal für Aufruhr sorgen (Hubner o.J.). Diese Art von Aneignung des Straßenraums fördert ein Bewusstsein für die oft untergeordnete Rolle des Radverkehrs in autogerechten Städten. Auch Kassel wurde infolge der großflächigen Zerstörung im 2. Weltkrieg nach dem Leitbild der autogerechten Stadt wiederaufgebaut. Im Vergleich zu anderen Großstädten dieser Größe ist das Radfahren in Kassel relativ gefährlich und somit wenig populär. Unter dem Motto “Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr!” findet auch in Kassel jeden Monat eine Critical Mass statt, um sich für einen fahrradfreundlichen Straßenraum und mehr Radwege einzusetzen (Hartz 2014)

Auch am vergangenen Freitag, den 25.05. haben zahlreiche Radfahrer*innen aus Kassel und Umgebung an der Critical Mass teilgenommen. Darunter befanden sich einige Studierende des PIT Projekts, die anschließend für ein entspanntes Ausklingen der Tour bei kühlen Getränken und lauschiger Musik auf dem Campus sorgten. 

Am 29.06.2018 findet die nächste und somit 57. Critical Mass in Kassel statt. Treffpunkt ist um 18 Uhr vor dem Fridericianum auf dem Friedrichsplatz.

  • Foukis, I. (2015): Critical Mass, Zugriff am 18.05.2018, Verfügbar unter https://www.uni-potsdam.de/de/romanistik-kimminich/kif/kif-phaenomene/kif-criticalmass.html
  • Hartz, B. (2014): Critical Mass: Mehr als nur eine Party auf Rädern, Zugriff am 18.05.2018, Verfügbar unter https://www.zeit.de/mobilitaet/2014-06/critical-mass-radfahren-gesellschaft
  • Hübner, M. (o.J.): Was ist die Critical Mass?, Zugriff am 08.05.2018, Verfügbar unter https://criticalmass.in/help/about