Eine Frage des Geldes

Emily Georg // Geld, Macht, Hierarchie // Lesezeit: 03 Min.

Fahrradfahren schont die Umwelt, die eigene Gesundheit und auch den Geldbeutel; zudem wirken Städte mit einem hohen Anteil an Radverkehr attraktiver und lebenswerter. Trotzdem investieren viele Kommunen weiterhin deutlich stärker in den Kfz- als in den Radverkehr. Allerdings würde sich eine höhere Investition in den Radverkehr auch für die Kommunen lohnen.

Vor allem die Niederlande und Dänemark gelten als die Fahrrad-Nationen. Nicht nur die hohe Anzahl der Fahrradfahrenden, sondern auch eine ausgeprägte Infrastruktur sind der Grund dafür, dass das Fahrrad in diesen Ländern ein sehr beliebtes Verkehrsmittel ist (BMVI, o.J. (a)). Mittlerweile findet der Fahrradtrend auch in Deutschland Platz (Radverkehr in Deutschland, 2014). In mehreren Städten wie Frankfurt, Berlin oder auch Kassel finden sich Gruppen zusammen und setzen sich mit Hilfe eines Radentscheids für eine bessere Infrastruktur in den Städten ein.

Diese Infrastruktur hängt von ganz unterschiedlichen Akteuren ab, aber insbesondere tragen der Bund, die Länder und die Kommunen die Verantwortung für das Verkehrssystem und somit auch für die Anteile der Verkehrsteilnehmenden im Straßenraum. Beispielsweise ist der Bundesverkehrswegeplan, der vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aufgestellt wird, ein wichtiges Instrument für die Verkehrsinfrastruktur. In diesem Rahmenplan werden bestehende Verkehrsnetze und zukünftige Projekte betrachtet. Der Bund trägt die Verantwortung für Bundesstraßen, Wasser- und Schienenverkehr. Außerdem stellt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur den Nationalen Radverkehrsplan auf (BMVI, o.J. (c)).

Selbst versteht sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in der Rolle als “[…] Moderator, Koordinator und Impulsgeber des Radverkehrs” (BMVI, o.J. (c)). In dem aktuellen Nationalen Radverkehrsplan 2020 werden neun Handlungsfelder aufgezeigt, die Bundesländern und Kommunen Maßnahmen zur Entwicklung des Radverkehrs aufzeigen sollen:

1. Radverkehrsplanung und -konzeption,

2. Infrastruktur,

3. Verkehrssicherheit,

4. Kommunikation,

5. Fahrradtourismus,

6. Elektromobilität,

7. Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln,

8. Mobilitäts- und Verkehrserziehung sowie

9. Qualitätskontrolle

Trotz des zunehmenden Fahrradverkehrs wird der Kfz-Verkehr von den Kommunen finanziell am meisten unterstützt. Währenddessen erhält der Radverkehr die wenigstens Zuschüsse, wie ein Forschungsprojekt der Universität Kassel (Kurztitel: NRVP – Was kosten Radverkehr, Fußverkehr, öffentlicher Personennahverkehr und Kfz-Verkehr eine Kommune?), zeigt. Das Projekt, durchgeführt von Univ. Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer, Leiter der Fachbereichs Verkehrsplanung und Verkehrsströme, stellte von 2012 bis 2014 eine Methode für den Vergleich von Erträgen und Aufwendungen verschiedener Verkehrsmittel anhand von kommunalen Haushalten auf. Dabei wurden drei Modellstädte (Bremen, Kiel und Kassel) und deren Haushaltspläne untersucht (Universität Kassel, 2015). Aus dem Ergebnis dieser Arbeit entstand ein Zuschussranking, nach dem der Kfz-Verkehr den größten Teil an Zuschüssen generiert. In absteigender Reihenfolge folgen öffentlicher Personennahverkehr, Fußverkehr und Radverkehr. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Zuschüsse für den Fußverkehr nicht nur Verkehrsflächen beinhalten, sondern auch die Aufenthaltsfunktion betreffen. Gleichzeitig ist zu beachten, dass die Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr höher sind als die Ausgaben für den Kfz-Verkehr. Allerdings erwirtschaften die Kommunen auch Geld mit dem öffentlichen Personennahverkehr, wodurch sich der Kfz-Verkehr im Ranking auf den ersten Platz verschiebt (Universität Kassel, 2015).

Ebenso zeigt eine andere Kosten-Nutzen-Analyse (Kostenvergleich Auto-Fahrrad, Deutschland: Berechnungsannahmen) von Prof. Stefan Gössling (Linnaeus Universität / Lund Universität Schweden) “(…) das Bild der aktuellen Kosten und Nutzen der beiden Verkehrsträger, gerechnet pro Personenkilometer (pkm)” (2018: 1). Aus dieser Analyse ergeben sich folgende Ergebnisse: durch einen mit dem Auto zurückgelegten Kilometer entstehen volkswirtschaftliche Kosten von 20 Cent. Dagegen ergibt sich bei einem mit dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer ein volkswirtschaftlicher Nutzen von 30 Cent (Stefan Gössling, 2018). Zusammenfassend ist also zu sagen, dass die Kommunen nicht nur in den Kfz-Verkehr am stärksten investieren, sondern es entstehen auch noch gesamtgesellschaftliche Kosten durch den Kfz-Verkehr. Ein Umstrukturierung der finanziellen Zuschüsse, bei der vor allem stärker in den Radverkehr investiert würde, könnte gesamtgesellschaftliche Kosten minimieren und würde gleichzeitig Radfahrenden eine bessere Infrastruktur bieten, die gleichzeitig  die Sicherheit der Radfahrenden erhöhen würde.  

Dies würde auch die Herstellung einer Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmenden, die der Bund vorsieht (BMVI, o.J. (b)), unterstützen. Abgesehen von den ökologischen Vorteilen des Radverkehrs ist der gesamtgesellschaftliche Nutzen des Radverkehrs von großer Bedeutung. 

  • Abb. 2: Cyclists at red 2. Unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Radfahren_in_Kopenhagen#/media/File:Cyclists_at_red_2.jpg (abgerufen: 28.06.2018)
  • Abb. 3: Traffic Jam. Unter: https://pixabay.com/de/stau-automotive-reihe-688566/ (abgerufen: 28.06.2018)